Rentiere

Rentiere zählen zu den am weitesten nördlich lebenden Großsäugern. Sie bewohnen große Teile des nördlichen Eurasiens und Nordamerikas. Selbst auf hocharktischen Inseln wie Svalbard, der Ellesmere-Insel und Grönland kommen Rentiere vor. Um dem arktischen Winter zu entgehen, unternehmen die Renherden, wo immer dies möglich ist, große Wanderungen, manche bis zu 5000 Kilometern – die längste regelmäßige Wanderung von Landsäugern überhaupt!

Heute gibt es weltweit etwa 4 Millionen wilde und 3 Millionen domestizierte Rentiere. Drei Viertel der wilden Rentiere leben in Nordamerika, und mehr als drei Viertel der domestizierten Rentiere sind in Sibirien beheimatet.

Bei den großen Rentierherden Lapplands und Nordostrusslands handelt es sich ausschließlich um „halbwilde“ Rentiere, die unter der Obhut der Samen stehen.

Es ist unbekannt, welches Volk zuerst Rentiere domestizierte, doch man nimmt an, dass vor 5000 Jahren in Ostsibirien die ersten domestizierten Rentierenden auftauchten. Die Nutzung des Rens verbreitete sich um etwa 1000 v. Chr. von Sibirien nach Skandinavien.

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Der Beginn der Nutzbarmachung der Rentierherden für die Naturweidewirtschaft liegt etwa 5000 Jahre zurück und fand zuerst in Sibirien statt.

Wissenswertes

In Nordeuropa waren die Samen im Domestizieren der Rentiere sehr erfolgreich. Bis zum 17. Jahrhundert wurden Rentiere vor allem als Last- und Zugtiere genutzt. Die anschließende Ausweitung der Domestizierung auf ganze Herden fand erst durch den Zwang zu höheren Steuerzahlungen an die Kolonialherren statt. Noch heute wird in Lappland und Nordrussland Rentierzucht betrieben (vielfach halbnomadisch). In Norwegen und Schweden ist sie ein Privileg der Samen, in Finnland wird sie hauptsächlich von Finnen ausgeübt. Die Herden können frei umherwandern und die Menschen folgen ihnen. Die Rentiere werden zu festgelegten Zeiten zusammengetrieben, um die Kälber zu markieren oder ausgewählte Tiere zu schlachten.
Zur Paarungszeit im Oktober versuchen Männchen, einen Harem um sich zu sammeln. Sie paaren sich mit so vielen Weibchen wie möglich. Nach einer Tragezeit von 230 Tagen bringt das Weibchen ein einziges Junges zur Welt. Die Geburt erfolgt im Mai oder Juni. Das Jungtier ist, anders als die meisten Hirschkälber, nicht gefleckt und schon kurz nach der Geburt sehr selbstständig. So kann es bereits eine Stunde nach der Geburt laufen. Sofern es trocken bleibt, wird das Junge durch sein aus luftgefüllten Haaren bestehendes Fell vor der Kälte geschützt. Bei nasskaltem Wetter ist die Sterblichkeit der Kälber sehr hoch, obwohl Rentierkälber ihre Wärmeerzeugung um das Fünffache beschleunigen können und damit über außergewöhnliche thermoregulatorische Fähigkeiten verfügen. Geschlechtsreif werden die Tiere nach etwa zwei Jahren. Durchschnittlich werden sie etwa 12 bis 15 Jahre alt, gelegentlich aber auch mehr als 20 Jahre.

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